Hey Mann!

Aktuell erlebe ich oft die Angst zu versagen. Für mich ist das ein Gefühl, das mich schon immer begleitet hat. Egal ob beruflich oder in Beziehungen – ich kenne die Angst, den Erwartungen nicht zu entsprechen. Etwas gegen die Norm zu tun. Von anderen ausgeschlossen zu werden. Nicht dazuzugehören. Zu versagen.

Früher begann das Kräftemessen im Freundeskreis, mit den ersten Schulnoten in der Grundschule und in „wer wird beim Sport als letztes gewählt?“ Situationen. Ich erinnere mich an Zeiten von Anspannung und der Ungewissheit, ob ich vielleicht der Loser bin, der selbst das nicht versteht und deshalb einmal mehr ausgelacht wird.

Ein paar Jahre später: Pubertät und Pornos. Eine neue Versagensangst namens Sex kommt dazu. Wer wird der erste sein? Wie wird es sein? Werde ich es können, wie die im Film? Angst vor Erektionsproblemen. Angst vor vorzeitigem Samenerguss. Angst, nicht muskulös genug zu sein. Angst, hässlich zu sein. Anstrengend…

Ein paar Jahre später: Ausbildung, Arbeit, Autos. Neue Ängste zu Versagen kommen dazu. Mache ich das richtige? Wie kann ich genug Geld verdienen? Wer hat die beste Ausbildung, das beste Studium, wer verdient schon wie viel?

Rückblickend gehörten alle diese Ängste der sozialen Gruppe. Meine Ängste haben nur im Vergleich mit den Menschen um mich Bestand gehabt: Ihre Idee von mir hat meine Versagensangst in ihren Augen erst kreiert. Ständig habe ich die Angst erlebt, nicht dem „funktionalen“ Ideal meiner Vorstellung der Vorstellungen anderer zu entsprechen.

Nach diesen ersten Jahren habe ich neue Versagensängste kennengelernt.

Zum Beispiel als ich Selbständig wurde. Damals habe ich in München zu studieren begonnen und gleichzeitig für eine Werbeagentur gearbeitet. Ein Kundenkontakt war damals so undankbar, dass ich auf Facebook lautstark „Never work for Assholes“ verkündet hatte. Zwei Wochen später war ich gekündigt. Panik. Geldnot. Fressende Versagensangst. Durch schier magische Umstände gelang es mir damals zu studieren, mich freiberuflich zu melden, erste Kontakte in München zu knüpfen und die Zeit zu überleben. Mein Studium war von 8 bis 14 Uhr, meine Arbeit zwischen 15 und 23 Uhr. Drei Jahre lang, jeden Tag. Keine schöne Zeit, aber eine Zeit, in der ich unglaublich wachsen musste. Und heute noch dankbar bin, diesen Weg gemeistert zu haben.

Oder dann, als ich 3 Jahre später einen für mich wirklich großen Auftrag als Designagentur angenommen habe. Ich erinnere mich, wie ich damals vor den Geschäftsführern bocksteif und mit Pokerface Technologien und Ergebnisse versprochen habe, von denen ich davor nie gehört habe. Wieder mit dem Kopf durch die Wand, wieder Versagensängste hoch zehn. Nächte voller Panik. Nervöse Telefonate. Reissende Versagensangst. In Büchern über die Technologien lernen, während ich die Arbeit tagesaktuell mache. Am Ende habe ich es gerade so geschafft. Und heute bin ich noch dankbar über diese Phase: Diese vermeintliche Lüge und ihre Ängste damals haben über Jahre mehrere Weichen gestellt und heute zu meinen größten Auftraggebern geführt.

Vor ein paar Jahren dann, als ich 2018 einen Coworking Space in München eröffnet habe: neue Ängste. 10.000 Euro Mietkosten waren damals schon in 3 Wochen für Leerstehende 400 Quadratmeter Bürofläche fällig – und ich hatte 5.000 Euro auf dem Konto und keinen einzigen Tisch. Schweißhände. Herzklopfen. Reden im Schlaf. Berstende Versagensangst. Zwei Monate später war der Space ausgebucht und wir verdienten genau so viel Geld, wie er kostete. Ein Jahr später mussten wir die Räumlichkeiten verlassen. Damals war der Gewinn über die ganze Zeit etwa 50 Euro im Plus – die Erfahrung jedoch eine der besten, die ich machen konnte.

Es kommt mir vor, als könnte ich eine gewisse Moral aus meinen Geschichten ziehen, die vielleicht auch für die Zukunft funktioniert:

Versagensangst macht uns am Alten festhalten, oder am Neuen wachsen.

Wann immer ich meinen Ängsten begegnet bin, und vorwärst gelehnt, statt rückwärts gefallen bin, habe ich das Wachstum erlebt, das kein Geld der Welt kaufen kann.

Heute stehe ich vor der nächsten (und größeren) Versagensangst: die erste Vollzeit Mitarbeiterin meines Lebens. 5.000 Euro im Monat Arbeitgeberkosten. Ufff. 3 Monate habe ich täglich in Excel-Listen Kosten und Nutzen abgewogen. Jede Woche habe ich mit Coaches und Freunden telefoniert. Existenzielle Versagensangst: ist sie gut genug? Bin ich gut genug? Wie wird es mit Corona weitergehen? Wird es genug Arbeit geben oder verbrenne ich einfach Geld im Absturz? Wieder frisst die Angst an mir hoch, macht Schweißhände, schlaflose Nächte und turbulente Versagensangst.

Dann habe ich einen Mann aus unseren Männergruppen angerufen, der einige Jahre Erfahrung und Erfolg mit seinem Unternehmen hat. Seine Frage war einfach aber schneidend:

„Wann hast Du das letzte Mal erfolgreich versagt?“

Meine Antwort?

„Immer.“

Lerne mehr über Dich in einem unserer Männerworkshops

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