Dieser Satz hat für mich aktuell eine starke Resonanz.

Er beinhaltet für mich die Möglichkeit, mich abzugrenzen und ein klares NEIN zu geben gegen reale oder vorgestellte Erwartungen und Bedürfnisse (in meinem Fall meist von Frauen), wenn mir danach ist. Gleichzeitig öffnet er die Ohren für die Frage, was will ich eigentlich? Und hier liegt oftmals die größere Hürde.

Um von mir selbst zu sprechen: Im Laufe meines Lebens habe ich mir ein immer größeres Maß an innerer und äußerer Freiheit erschaffen. Ich verbringe Tage und Wochen in der Natur, mit Freunden, Familie und bereichernden Aktivitäten aller Art. Und doch entdecke ich immer wieder mit Schrecken, wie sich die Stimme meines inneren Kritikers in mir gehalten hat und weiterhin auslebt. Wie sehr ich mich auch immer noch aus einem Widerstand gegen vermeintlichen Druck und Verantwortung in meiner Medienhöhle – und Hölle verbarrikadiere. Obwohl dieser Druck von Außen an sich so gar nicht mehr existiert. Wie ich in den Momenten der vermeintlich größten Freiheit mich in einem Chaos von Langeweile, Unterforderung und Selbstzweifel über meine Vermeidungsstrategien winde.

Oft habe ich aus einem Leidensdruck heraus versucht, mich aus diesen inneren Fesseln zu befreien. Habe mir Vorsätze gemacht und bin Commitments eingegangen. Habe zeitweise auf Medien, Zucker, Tabak, Porno, Kaffee und vieles mehr verzichtet.

Ich nehme auch an, dass “weg von” Motivationen und Ansätze ihre Berechtigung haben und es in bestimmten Situationen gut ist, innere und Äußere Grenzen zu setzen.Doch komme ich immer mehr zu der Erkenntnis, dass es nachhaltiger ist,  ein “hinzu” zu entwickeln und zu leben.

Daher zurück zum Satz “Mach doch, was du willst!”

Leichter gesagt als getan, wenn die Prägung eher dahin geht, sich die geheimen Wünsche und Träume für später aufzuheben, wenn durch Arbeit und Disziplin die Früchte der Freiheit gereift sind. Was sie in den meisten Fällen in der Realität nie tun werden. Ich kenne zumindest genug Menschen, die mit 6 stelligen Summen auf dem Konto nicht den Mut aufbringen, mal ein Jahr Arbeit Arbeit sein zu lassen um sich auf die Reise zu machen, den tieferen Sinn im Leben zu finden. Oder sich mit den schönen Dingen und Herzenswünschen im Leben zu beschäftigen. Wen nehmen wir uns als Rollenmodell, wenn oftmals unser Elternhaus noch die Spuren und Traumata von Generationen in sich trägt. Wenn unsere Ahnen kollektiv über Jahrtausende von Jahren hinweg Unterdrückung, Versklavung, Kriege, Vergewaltigungen, Hungersnöte und Seuchen, Vertreibung, und Elend erlebt und gelebt haben.

Wie gehen wir damit um, dass wir noch immer zum großen Teil in einer Gesellschaft leben, in der uns durch Medien, Schule und Staat einerseits die Illusion der Kleinfamilie mit Haus, Kindern, Autos, Hund und Affäre, Arbeit bis 67 und dann Rente im Strebergarten und auf den Malediven als erstrebenswertes Leben propagiert und auf der anderen Seite die Schatten der Gegenwart und Vergangenheit in digitale Horror, Kriegs, Action und Porno-Filmen angetriggert aber nicht weiter bearbeitet werden.

Während der Corona Pandemie und den für mich heuchlerischen Maßnahmen, die von unseren gewählten Vertretern getroffen wurden und werden habe ich Menschen daran zerbrechen sehen. Ein naher Freund der Familie hat sich das Leben genommen. So viele Menschen versacken zuhause in dunklen Gedanken und netflixen sich bald zu Tode. Über meine Eltern, die beide seit 30 Jahren mit Musiker Studenten arbeiten habe ich erfahren, wie unendlich schwer es diese jungen Menschen haben, die sich ihr Leben lang auf ein Instrument spezialisiert haben und seit über ein Jahr lang kein einziges Konzert spielen konnten und schon vor der Krise am Existenzminimum gelebt haben. Alleine an der Leipziger Hochschule, an der meine Mutter unterrichtet, haben sich im letzten Jahr 14 Studenten das Leben genommen.

Doch das ist nur die eine Seite. Für mich war interessanterweise das letzte Jahr eine Zeit, in der ich weiter aus den “alten” Strukturen herauswachsen konnte, als je zuvor. Scheinbar brauchte ich die Restriktionen bezüglich meiner Arbeit im Außen, um mir zu erlauben, mich um mich selbst zu kümmern.

Und was ich dabei gefunden habe ist eine verstärkte Faszination für die Natur. Diese lebt schon in mir, seit ich denken kann. Doch gerade in den Zeiten von Lockdowns und medialer Panikmache sind für mich stundenlange Erkundungen in den Wäldern unverzichtbare Realität geworden. Innere Bilder meiner täglichen Erfahrungen an der frischen Luft lösen meine Gedanken ab. Eine Stille im Kopf und innere Freiheit beginnt sich in mir auszudehnen. Und die immer wiederkehrende Frage:

“Was will ich eigentlich wirklich?”

Ich habe so viele Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis noch mehr aufblühen sehen und lebensverändernde Entscheidungen treffen sehen. Während ich gerade diesen Text schreibe, spielt und singt mein Herzensfreund Daniel brasilianische Medizinlieder und ich fühle einfach nur Dankbarkeit und Freude für das Leben. Ich bin Teil einer Gruppe von Menschen, die innerhalb eines halben Jahres knapp 2.000.000€ für die Vision eines gemeinsamen Zusammenlebens und wirkens, ausgehend von einem wunderbaren Flecken im Norden der Uckermark, aufgetrieben haben.Ich habe so viele herzens-offene und heilsame Momente mit Menschen erlebt, wie nie zuvor.

Wir sind frei. Vielleicht freier als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und doch, was mache ich aus dieser Freiheit. Weiß ich noch um meine Flügel? Traue ich noch meinem eigenen Willen? Tragen mich meine eigenen Beine? Kann ich den Menschen vertrauen? Vertraue ich mir selbst?

Lasst uns zusammenhalten und im Gespräch bleiben.

MACH DOCH, WAS DU WILLST!!!

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