Hey Mann!

Letztes Jahr um diese Zeit habe ich geschrieben, dass ich in 2020 12 Reisen unternehmen und 7 Länder besuchen werde. Wie wir alle wissen, war dieses Ziel so gut wie unmöglich. Aber: ich bin mehr gereist und habe mehr Orte besucht, als jemals in meinem Leben zuvor – in mir.

Tatsächlich wurden aus den physischen Reisen psychologische Reisen und sie haben mich weiter geführt als nur ein paar tausend Kilometer auf der Weltkugel.

Ich möchte Dir in 3 kurzen Geschichten beschreiben, was das heißt, welche Erlebnisse mich zu dieser Erkenntnis führen und was ich Dir damit für 2021 wünsche.

Tür zu, Buch auf

Als im März mit Corona die Welt stehen blieb, gingen für mich innerliche Türen auf. Bis dahin war Bücher schreiben immer etwas, das nach der Arbeit kommt. Obwohl eines der Dinge, die mir am meisten Freude auf der Welt machen, bin ich darauf trainiert, brav zu arbeiten. Obwohl ich wirklich nur 2 Jahre meines Lebens angestellt war, sagt der Kopf: erst die Arbeit, dann das … Vergnügen.

Ab März stand in meiner Wahrnehmung die Arbeitswelt kurz still und viele Türen der Freiheit gingen damit zu. Aber seltsam – etwas entspannte sich in mir und machte auf. Als ich nicht mehr „arbeiten um der Arbeit willen“ musste, weil jeder mit anderen Dingen beschäftigt war, waren die Erwartungen von außen weg. Das Ergebnis? Ich tat das, was mein Inneres wollte: Ich fing an zu schreiben.

In 2020 habe ich fast 3 Bücher geschrieben, mit insgesamt fast 200.000 Worten auf 1.200 Buchseiten. Ich war über Wochen und Monate der glücklichste Quarantäne-Bewohner der Welt, auf 32qm und trotzdem in der ganzen Welt frei.

Die Lehre aus dieser Geschichte? Die äußere Uhr, die uns ständig auf Trab hält, ist nicht unsere eigene Uhr. Es gibt etwas, das so authentisch aus Dir heraus will, dass Du es niemals Arbeit nennen würdest. Wie jeder Organismus nach Ganzheit strebt, strebt er auch nach Deinem Rhythmus, Deiner Art und Deiner Geschwindigkeit.

Für 2021 wünsche ich Dir, das Du das findest, was ganz nebenbei aus Dir heraus will. Der Schlüssel dazu kann manchmal eine Tür sein, die sich schließt, damit sich etwas anderes öffnen kann.

Echtheit und echt sein

Im September konnten wir mit der New Men’s Journey trotz Corona mit 12 Männern nach Griechenland reisen. Auf unserem Campus bei Kalikalos waren wir das zweite Jahr in Folge überrascht, welche andere Welt wir dort sehen: Sonnenaufgänge direkt am Meer, reife Natur, die uns durchweg beschenkt, Verbindung unter Männern, die nach einem Tag schon keine Fremden mehr, sondern Kumpanen auf gemeinsamer Mission sind.

Wir haben Heilung, Gemeinschaft und echte Freude erlebt, die Worte alleine nicht beschreiben können. Männer werden ganz, wenn sie unter anderen Männern authentisch, verletzlich und ehrlich sein können und sich die Vergangenheit verabschieden kann. Männer sind auch echte Männer, wenn sie den Jungen in sich wieder spielen lassen. Wir haben gespielt, gelacht, geweint und am wichtigsten: gelebt!

Eine Geschichte aus dieser Zeit werde ich nie vergessen: wie ein Teilnehmer nach unserem Workshop auf dem Rückflug die Frau neben sich ansprach, in München wieder traf und heute seine Freundin nennt. Was war anders als sonst? Warum hat es über Jahre mit Frauen gehakt und plötzlich wurde aus einem Impuls ein anderes Leben? Ich meine, sein intellektuelles Konzept über seine Männlichkeit ist seiner Authentizität gewichen, die ganz automatisch männlich ist. Er hat gemacht, wozu ihn seine Impulse ganz automatisch geleitet haben – und hat bekommen, wozu sein Kopf sich niemals hätte hindenken können.

Für 2021 wünsche ich Dir, diese Authentizität unter Männern zu finden. Ich wünsche Dir, dass Du Deine Konzepte loslassen kannst, um die Impulse für Dein echtes Leben immer deutlicher spüren zu können. Ich wünsche Dir Deinen vollkommen eigenen, authentischen Weg zu finden.

Resilienz in Veränderung

In 2020 habe ich oft an das Wort Resilienz gedacht. Resilienz ist unsere Widerstandskraft, die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Ich für mich dachte mir: Was, wenn meine Resilienz die schwierige Lebenssituation vermeidet, indem ich die Luft anhalte, steif werde und mich verspanne? Ist Resilienz nicht erst dann gut, wenn sie meine Fähigkeit in Veränderung unterstützt?

Wir meinen Resilienz wäre etwas gutes, wenn wir auch in schwierigen Situationen standhaft bleiben. Wir sind viel zu oft stolz darauf, in längst überflüssig gewordenen Lebenssituationen zu überleben. Wir glauben vielleicht, Dinge zu meistern, indem wir sie nur aushalten.

Hier in Kapstadt habe ich dazu eine Lektion erhalten. Ich war bei einer Thai Massage und habe mir 1 Stunde Beine und Füße massieren lassen. Biologisch sagt man, dass die meiste Energie für Kampf und Flucht in den Beinen freigesetzt wird, wenn wir sie dazu nutzen, vor Gefahr zu flüchten. Nun, wie rennt man vor dem eigenen Leben davon? Nicht.

In dieser Stunde Massage habe ich Ängste und Panik erlebt, es kamen unangenehme Gefühle hoch und mein Kopf wollte zehnmal die nächsten Wochen planen. Ich habe alte Ängste erlebt, die ich seit Jahren nicht mehr hatte. In der Nacht hatte ich wilde Träume, wurde etliche Male verlassen, kein Freund mochte mich mehr. Dunkle Energien kamen in Bewegung.

Wir leben in einer Zivilisation, die ständig Fortschritt und Leistung predigt. Und wir leben in einer Zivilisation, die uns damit durchgehend fordert, überfordert, überstimuliert und uns keine Chance gibt, vor uns selbst davonzurennen. Diese Energie steckt vielleicht auch in Dir und wenn sie nicht fließt, verstopft sie Deinen Körper, Kopf und ultimativ Dein Leben. Das soll dann Resilienz sein? Ich meine, das sind Energien, die ich aushalte, obwohl sie durchlebt werden wollen.

Der Trick ist, diese unangenehmen Gefühle als das zu erkennen, was sie sind: alte Energie, die sich mobilisiert, um dich zu verlassen. Die Schatten in dir in Bewegung zu bringen, den Körper in Erlebnisse zu werfen und Lebendigkeit zu erleben, statt nur alte Gedanken neu zu sortieren – das ist es, was Dich in 2021 lebendig machen wird. Wenn Du zu lange eine alte Lebenssituation ausgehalten hast, unangenehme Energien Dein Leben überschatten und Du nicht weißt, wie es weiter geht: Werde resilient in Veränderung.

Resilienz in Veränderung beinhaltet für mich die Fähigkeit, sich dem Widerstand hinzugeben und damit durch die Schatten zu gehen, um am Ende wieder beim Licht anzukommen. Veränderung passiert nicht durch den Verstand. Sie passiert durch Erlebnisse, durch die ich mich verstehe. Für 2021 wünsche ich Dir deshalb: plane Erlebnisse – keine Ziele.

Vielleicht machst Du Dich auf die Reise, Mann!

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